Tag 12: 30.03.2005: ein windiger Tag mit HÖHEN und TIEFEN

die Isola Tavolara kurz nach Sonnenaufgang

In dieser Nacht hatte ich einmal mehr intensiv geträumt, denn mein Schlaf war nicht sehr tief. Früh morgens, 7:15 Uhr, weckten mich dann die Schreimöwen. Leider war der Himmel zu diesem Zeitpunkt zugezogen, und so blieb ich noch bis 8 Uhr im Zelt liegen. Dann wurde es mir jedoch zu warm, und siehe da: Die Sonne stand bereits höher und strahlte von einem wolkenlosen Himmel. Ich machte gleich eine Bilderserie. Besonders krass sah die 565 Meter hohe Isola Tavolorea, aus die aber leider noch im Schatten lag. Ich schrieb dann weitere Postkarten, während Mäfju aus dem Zelt kam. Für die Hiobsbotschaft des Tages sorgte er dann gleich nach dem Aufstehen - seine Wunde war scheinbar neu aufgerieben. Unter diesen Umständen wäre an eine schmerzfreie Weiterfahrt nicht zu denken. „Shit“, dachte ich mir. Aber was blieb uns übrig ? Das beste war, erst einmal abzuchecken, ob es noch geht. Als Alternative hatten wir noch den in 15 Kilometer Entfernung liegenden Bahnhof, von dem wir dann direkt zum Flughafen hätten fahren könnten. Mäfju wollte es jedoch versuchen, weiter zu fahren. Wir lenkten uns dann erst einmal mit Brötchen und Nutella ab.


der Blick zu unserer Zeltstelle
Frühstück am Meer was will man mehr

Nachdem wir aufgegessen hatten, fotografierte mich Mäfju bei meinem ersten Bad im Mittelmeer. Dabei blieb mir erst einmal die Luft weg, weil es so kalt war. Mäfju ist dann auch noch einmal fotowirksam mit Selbstauslöser mit mir ins Wasser gelaufen. Zum Glück knallte die Sonne ordentlich runter, und so wurde uns wieder schnell warm, und unter unseren geschälten Armen wurden wir erneut braun. 12:30 Uhr kam dann noch eine Familie in unsere Bucht, und erst 13:20 Uhr kamen wir los. Wir hatten einen fantastischen Vormittag und den vielleicht besten Zeltplatz der Tour. Nähere Details zu dieser Zeltstelle gibt es hier zum Nachlesen. Wieder zurück auf der roten 125 begann dann die nervige Fahrt nach Olbia. Der Verkehr wurde dichter und der Gegenwind stärke. So wurde die Fahrt zu einer echten Herausforderung. Ich blieb vorn, und so ging es den Umständen entsprechend langsam zur Provinzhauptstadt. Wir hatten recht schnell genug und verzichteten auf einen Abstecher in die Stadt (also keine weiteren Postkarten kaufen). Wir erreichten auch einen Tunnel, und mir war etwas mulmig ohne Licht. Mäfju übernahm die Führung und pushte uns durch diesen heiklen Streckenabschnitt. Auch bei größerer Belastung machte seine Wunde keine weiteren Probleme, und es schien, als ob wieder alles in Ordnung sei. Auf der anderen Seite des Tunnels übernahm ich wieder die Führungsarbeit. Olbia lag direkt an einer Bucht und besaß sogar einige Wolkenkratzer und einige Industrie im Norden, an der wir jetzt vorbei fuhren. Drei Abfahrten später entspannte sich der Verkehr. Das war nach ungefähr neun Kilometern. Hier zeigte die rote 125 nach links, und wir fuhren die ebenfalls rot markierte Straße in Richtung Costa Smiralda. Der Wind wehte aber weiterhin, und der Himmel war bedeckt. Zum Glück gab es bisher noch keine nennenswerten Steigungen. Nach weiteren sieben Kilometern hätten wir über die Berge (ungefähr 230 Meter Höhe) abbiegen können. Wir wählten jedoch die Weiterfahrt nach Norden zur Costa. Nun begannen auch für uns die ersten Anstieg auf 130 Höhenmeter. Von einem Aussichtspunkt hinter Aglientina hatten wir einen tollen Blick auf die Costa Smeralda. Mit am Start beim Parkplatz war noch ein nicht ganz voll besetzter Reisebus aus Deutschland. Ansonsten waren keine weiteren Touristen zu sehen.

die Costa Smeralda
es wird frisch doch mit der Windjacke kein Problem
nach dem Anstieg: Mäfju stärkt sich mit einem Riegel
sytlisch: Conrad in Porto Cervo


Conrad am Hafen von Porto Cervo

Endlich war es auch aufgelockert und wurde wieder etwas wärmer mit 25°C. Auf den folgenden Kilometern ging es immer wieder hoch und runter. Die vielen Anstiege überraschten mich, denn ich hatte gedacht, dass die Smeralda ein flaches Streckenprofil aufweist. Am Ende des Tages hatten wir immerhin 647 Höhenmeter erreicht. Es gab so gut wie keine Siedlungen am Wegesrand, von geöffneten Supermärkten ganz zu schweigen, was mit der Zeit zu einem Problem wurde, denn wir hatten so gut wie keine Nahrungsvorräte mehr. Porto Cervo war ein berüchtigter Ferienort und zählte zu den teuersten der Insel. Früher traf sich hier der Jetset. Heute sind es Touristen, die sich das teure Ambiente leisten können. Am schicken Hafen kauften wir noch ein paar überteuerte Postkarten mit mäßigen Motiven. Eine Kugel Eis kostete 1,25 Euro – wir verzichteten und fuhren weiter.


Es war bereits 16:30 Uhr, und wenn wir heute noch auf das Maddalena – Archipel übersetzen wollen, dann mussten wir uns beeilen, denn zum Fährhafen von Palau waren es immerhin noch 25 Kilometer. Einen Supermarkt hatten wir immer noch nicht gefunden, so dass wir unser Mittagessen 17 Uhr am Straßenrand mit einem abgepackten Brötchen, Tubenfisch und einem Apfel einnahmen. Der Wind wehte uns bei den folgenden Anstiegen entgegen. Ich hatte vorn zu kämpfen. Zudem waren die Autofahrer sehr unkooperativ, wie ich es selten auf dieser Tour erlebt hatte. So quälten wir uns genervt die Anstiege bis nach Baja Sardinia. Dort fanden wir noch einen geöffneten Supermarkt. Endlich hatten wir wieder genügend zu Essen, um weiter zu fahren, und so fuhren wir mit erhöhten Tempo vorbei Punta Baignoni (197 Meter Höhe) und auf der anderen Seite runter zum Golfo di Arzachena. Endlich spielte das Wetter mit. Sonne und Wolken bildeten nun eine tolle Kulisse. Durch Cabnnigione fuhren wir direkt neben dem Golfo di Arzachena in Richtung Maddalena Archipel. Doch für die Fährfahrt war es heute zu spät, denn durch den Einkauf hatten wir weiter Zeit verloren, sodass es jetzt bereits 18:30 Uhr war.

die Suche nach einer Zeltstelle

Wir suchten uns somit eine Zeltstelle bei Isuledda. Einem Schotterweg folgend, fanden wir eine kleine Bucht. Diese war zwar nicht so toll wie letzte Nacht, aber durchaus OK. Leider hatte sich der Wind noch immer nicht gelegt, und so mussten wir die Heringe mit großen Steinen beschweren. Trotzdem wackelte das ganze Zelt. Einen Vorteil hatte der Wind aber: er trieb die Regenwolken weg, und so war es 21 Uhr total klar, aber sehr frisch (11°C). Zum Glück hatte Mäfju keine weiteren Probleme mit seiner Verletzung bekommen. Scheinbar war alles wieder in Ordnung. Wir aßen Abendbrot, und sind dann 21:30 Uhr in unser Zelt. Der Wind rüttelte noch immer kräftig daran, und ich hoffe, dass wir wenigstens etwas Schlaf finden.

grober Sand und viel Wind ...


ohne die Steine wäre unser Zelt weg geflogen
traumhafter sunset


Statistik zum 12ten Tag

leicht bewölkt war es
Vormittag
leicht bewölkt war es
Nachmittag

Tageskilometer
69,29 km
Gesamtkilometer
967,01 km
Höhenmeter (gesamt)
647 (9768)
Durchschnittsgeschwindigkeit
20,48 km/h
reine Fahrzeit
3:22:57 h
Start
13:20 Uhr
Ziel
18:45 Uhr
TopSpeed
53,2 km/h
Temperatur
11 - 25 °C
Übernachtung
8 km vor Palau am Golfo di Arazachena (Isuledda)
Übernachtungshöhe
1 m über NN
Stärkungen (Conrad)
2x Snickers
Trinken (Conrad)

1,0 Liter Wasser
1,5 Liter Saft
Ausgaben

9 Euro für Essen + Trinken
8,70 Euro für Postkarten

Tag 11 / Tag 13


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