Tag 7: 25.03.2005: im riesigen Bogen um die Hauptstadt

unsere Bucht: azurblauer Himmel und angenehme Temperaturen

Heute früh waren alle Wolken von gestern verschwunden und der Tag startete mit tollem Sonnenschein. Grund genug noch einmal einen Teil der Costa del Sud abzufahren und Fotos im warmen Licht der Morgensonne zu machen. Ich fuhr also wieder die Strecke zurück. Es war ein sehr ruhiger Morgen. Kein Auto war unterwegs. Neben den Straßen weideten Schafe und eine Bucht weiter standen unerlaubterweise (aber geduldet) drei Wohnmobile. Leider zog sich der Himmel keine Stunde nach Sonnenaufgang zu. Er war binnen weniger Minuten sehr milchig geworden und ich konnte es vergessen, weiter zu fotografieren. So drehte ich um und war 8:20 Uhr wieder bei Mäfju. Zehn Minuten später frühstückten wir am Meer. Uns war bewusst, dass dies vorerst das letzte Essen am Meer war, denn in den kommenden Tagen würden wir in den Bergen unterwegs sein. Während des Frühstücks besuchte uns dann auch noch ein Hütehund, der seine Herde etwa dreißig Meter neben unserem Zelt vorbei trieb. Nachdem er die Lage gecheckt hatte, trottete er weiter. Wir begutachteten die Karte und skizzierten unseren heutigen Tourverlauf. Wir wollten die Hauptstadt Cágliari weiträumig umfahren, und dann auf verkehrsberuhigten Straßen in das Gebirge zu fahren. Mäfju schnupfte heute Morgen noch etwas rum, meinte aber, dass er sich nicht schwach fühle. Im Laufe des Vormittags wurde es dann noch richtig warm und wir sonnten uns bei 26°C. Als die Sonne höher aufgestiegen war, konnte ich sogar noch etwas fotografieren. Schweren Herzens bauten wir 11 Uhr das Zelt ab und machten uns auf den Weg.


Die Kraft der Schokolade
in Richtung Asphalt: Mäfju schiebt zur Straße
der Turm bei Thàrros
die Costa del Sud gestaltet sich teilweise sehr steil (oben)



gut verpackt startet die sechste Etappe (links)

Immer entlang der Costa del Sud ging es immer wieder hoch und runter. Auf der Karte waren drei Steigungspunkte eingezeichnet. Innerlich hatten wir uns schon darauf vorbereitet und waren folglich nicht mehr so überrascht. Heute schmerzte mir mein rechtes Knie und so konnte sich Mäfju absetzen. An der letzten Kuppe der Costa wartete er auf mich. Hier zogen gerade dicke Wolken über den Kamm, die in Kombination mit dem Wind sehr unangenehm wurden. Wir zogen uns unsere Windstopper – Jacken an und fuhren weiter. Von oben konnten wir immer wieder schöne Buchten sehen aber keine war so leicht zugänglich wie unsere gewesen. Diesmal schienen wir alles richtig gemacht zu haben. Dafür hatten wir zwar noch keine Pizza gegessen aber es ist ja noch nicht aller Tage Abend ... Bei S`Arcu de Generuxi schlossen wir auf die rote `195` auf. Hier war der Verkehr deutlich dicker und so spulten wir die 11 Kilometer bis nach Pula mit einem 30er Schnitt runter. Noch immer tat mir mein Knie weh. Kurz vor Pula überholte uns ein Bagger, der 33 km/h fuhr und uns den perfekten Windschatten bot. Leider trennten sich unsere Wege nach nur einem Kilometer. Für uns ging es nun zur Ausgrabungsstätte „Nora“. Hier war eine alte punische Anlage zu sehen. Wir schauten jedoch lediglich vom Parkplatz auf das Gelände und sparten uns die 5,5 Euro Eintritt. Leider gab es auch keine tollen Postkarten und so sind wir dann wieder nach Pula rein gefahren. Der Ort war (aufgrund der Ausgrabungsstätte) für sardische Verhältnisse überdurchschnittlich touristisch erschlossen. Was nicht bedeutete, dass sich eine Hotelburg an der anderen befand, sondern dass eine vermehrte Anzahl an Pizzerias und kleinen Pensionen gab. Heute war Karfreitag. Trotzdem hatte noch ein Supermarkt geöffnet. Ich kaufte für 19 Euro Fischbüchsen, Obst und 12 Brötchen sowie jeweils 0,5 Liter Cola zur Motivation für die weiteren Stunden im Sattel. Bis dato hatten wir beide nur etwa 0,3 Liter getrunken, was natürlich zu wenig war. Obwohl sich am Himmel viele Schleierwolken befanden, war es nicht kalt. Rückwirkend betrachtet wäre es das beste gewesen, wenn wir in Pula im Restaurant gegessen hätten. Weil wir aber beide noch nicht den großen Hunger hatten, radelten wir erst einmal nördlich aus der Stadt raus in Richtung Sarroch. Von einem Hügel sah man die Stadt sehr schön am Meer liegen. Weniger schön war das Industriegebiet der Pedrochemie, welches sich hier auf einer Länge von mehreren Kilometer entlang der Straße erstreckte. Ansonsten war die Landschaft wenig abwechslungsreich. Vereinzelt Sträucher und kaum Wald. So machte ich nur ein Bild von den Industrieanlagen.


Pedrochemie bei Sarroch
Mittagessen auf der Straße: Mäfju öffnet eine Büchse Fisch

die schllimmste Rasstelle unserer Tour bei der Autobhan

Der Verkehr auf dieser als gelb markierten Straße, war sehr nervig, da er sehr dicht war. So erreichten wir erst beim Abzweig nach Capoterra eine halbwegs verkehrsberuhigte Straße. Es war 14:45 Uhr, wir hatten bisher nur einen Apfel zum Mittag gegessen. Die Vorstellung, in Capoterra eine Pizza zu essen gefiel uns natürlich sehr gut. Einmal mehr wurden wir aber enttäuscht, denn auch heute hatte kein Restaurant geöffnet. Es kam aber noch schlimmer, denn wir fanden nicht mehr aus dem Ort hinaus. Es war verrückt, aber wegen der schlechten Ausschilderung benötigten wir fast eine halbe Stunde, um den Ortsausgang zu finden. Genervt und hungrig fuhren wir dann in Richtung Assémini. Hier hatten wir einen weiteren Fehler gemacht, denn anstatt in Capoterra auf der Parkbank zu essen (wir hatten ja genügend mit) fuhren wir nun auf einer Überlandsstraße durch ein landschaftlich sehr tristes Gebiet. Nach weiteren sieben Kilometern kreuzten wir die Autobahn. Etwas orientierungslos beschlossen wir, erst einmal zu essen. Auf einen noch nicht weiter ausgebauten Teil der Autobahn setzten wir uns auf den Asphalt und aßen Brötchen mit Fisch. Es war ein Tiefpunkt dieser Tour erreicht, denn laut Karte waren es noch knapp 30 Kilometer bis zu den Bergen und die Sonne hatte ihren Zenit längst verlassen. Hier wollten wir aber auf keinen Fall bleiben, denn es gab weder Baum noch Strauch, dafür viele Industrieanlagen. Nach dem Nachmittagessen fuhren wir auf einer Schotterpiste durch weitere Industrieanlagen. Nach vier endlosen Kilometern zwischen Hoffen und Bangen sahen wir eine asphaltierte Straße am Horizont. Darüber glücklich, stieg unsere Laune und wir waren wieder deutlich motivierter. Uns kamen dann noch zwei Tourenradler entgegen, die sich nun auf die Fahrt durch die Industrieanlagen machen durften. Wir wünschten ihnen innerlich schon viel Glück. Entlang einer schönen Allee am Stagno Sante Gilla vergaßen wir die Strapazen der letzten Stunden sehr schnell. Die nächste größere Stadt hieß Assémini. Die Fußgängerbrücke über den Fiume Mannu war leider gesperrt. Ein Rennradler gab uns den Tipp, auf der Autobahn in die Stadt rein zu fahren. Er zeigte uns noch schnell die Richtung, in der wir fahren mussten und wir setzten unsere Helme auf und los ging es. Der Seitenwind forderte all unsere Kraft und Konzentration auf dem drei Kilometer langen Streckenabschnitt. Am Autobahnkreuz zwischen Assémini und Elmas angekommen, waren wir zwar etwas ausgepowert, aber ein Blick auf die Karte entschädigte für die Mühen, denn durch die Autobahn hatten wir wertvolle Kilometer eingespart. Wenn wir nur noch vier weitere Kilometer auf der Autobahn fahren würden, dann könnten wir mehr als 10 Kilometer Gezukkel auf kleineren Straßen sparen. Nach drei Minuten Überlegen war die Entscheidung getroffen. Ich setzte meinen Helm wieder auf und weiter ging’s. Zu unserem großen Glück lagen nach einem Kilometer große Steine auf der Straße. Mit Autoverkehr war also nicht mehr zu rechnen. Den Helm konnte ich also wieder absetzen. Die Straße wurde immer abenteuerlicher. Verrostete Autowracks und viel Müll lag am Wegesrand. Nach zwei Kilometern war die auf der Karte eingezeichnete Autobahn nicht mehr als ein großer Schotterweg. Scheinbar war hier das Geld ausgegangen.


OFFROAD - ERLEBNIS: das Ende der Autobahn

Autowracks säumen die unvollendete Autobahn
unsere Zeltstelle unter einem Olivenhain

Wir hoppelten bis zum Abzweig nach Sestu wo wir mit viel Rückenwind gut voran kamen. Schnell war Sestu erreicht und ebenso schnell waren wir auch wieder draußen, denn uns verfolgten streunende Hunde. Wir mussten mit letzter Kraft das Tempo auf der Geraden auf mehr als 35 km/h erhöhen, um die kläffenden Hunde abzuschütteln. Nach vier Kilometern zweigte eine weiße Straße von unserer gelben ab. Am Abzweig grüßte uns noch ein Sarde mit dem Wort „Salve“. Nach einem kurzen Smalltalk fuhren wir dann auf der „weißen Straße“ Richtung Dolianova. Hier war das Terrain sehr wellig und erinnerte irgendwie an die Toskana. Kleine Weingebiete lagen an den exponierten Hängen, die Wiesen waren saftig grün und wir hatten mehr als 100 Kilometer geschafft und wollten nun in diesem Gebiet unser Zelt aufschlagen. Ein letztes Mal mussten wir Gas geben, denn wieder einmal rannte uns ein Hund hinterher. Bei einer Anhöhe fuhren wir in einen Olivenhain und beschlossen hier zu zelten. Die 90 Minuten bis Sonnenuntergang nutzen wir, das Zelt aufzubauen und uns auszuruhen. In Richtung Nordosten sahen wir schon das Gebirge, welches wir in den nächsten Tagen durchfahren werden. Abendbrot aßen wir dann im Zelt. Draußen wurde es bereits sehr frisch. So zeigte mein Thermometer 18:20 Uhr nur noch 14°C. Mäfju wurde noch von Max angerufen und ich bekam zwei SMS. Wir waren sehr froh, diese entscheidenden Kilometer um Cágliari geschafft zu haben, denn ab nun konnte es nur verkehrsberuhigter und landschaftlich reizvoller werden.

Statistik zum 07ten Tag

leicht bewölkt war es
Vormittag
leicht bewölkt war es
Nachmittag

Tageskilometer
106,25 km
Gesamtkilometer
534,96 km
Höhenmeter (gesamt)
663 (4426)
Durchschnittsgeschwindigkeit
22,47 km/h
reine Fahrzeit
4:44:25 h
Start
11:00Uhr
Ziel
17:15 Uhr
TopSpeed
49,2 km/h
Temperatur
12 - 26 °C
Übernachtung
unter dem Olivenhain 4 km vor Dolianova
Übernachtungshöhe
185 m über NN
Stärkungen (Conrad)

3x Mars
1/2 Stange Dextro
Trinken (Conrad)

0,5 Liter Wasser
0,8 Liter Cola
1,0 Liter Saft
Ausgaben
10 Euro für Essen + Trinken

Tag 6 / Tag 8


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