Tag 6: 24.03.2005: mit einem ländlichen Abstecher zur Costa del Sud

Mit dem Wecker wachten wir 7:15 Uhr auf. Der Himmel war völlig bedeckt und wir aßen wegen der Mücken im Zelt. Die Nacht war sehr mild gewesen, sodass ich einmal nicht in meinem Schlafsack gefroren hatte. Nach dem Frühstück 8:00 Uhr waren bereits 17°C. Wir starteten dann 9 Uhr und zaghaft kam sogar die Sonne durch. 9:25 Uhr hatten wir dann den Hafen erreicht und kauften unsere Tickets für 2,7 Euro zur Überfahrt nach Calasetta. Eigentlich wollten wir noch ein Eis essen, aber die Läden waren noch zu. So sind wir dann gleich zu unserer Fähre gerollt. Es war ein kleines Schiff und die Überfahrt dauerte lediglich 30 Minuten. Vom Wasser sah man noch einmal den stark industrialisierten Hafen von Porto Scuso mit seiner Aluminiumverarbeitung. Vom Fährhafen auf Sant`Antico fuhren wir dann auf einer wenig befahrenen Straße am Nordende der Insel, die außerdem noch den Vorteil hatte, dass wir die Berge im Inselinneren umfahren konnten (immerhin 200 Höhenmeter) und gemütlich an der Küste lang rollen konnten. Leider war das Wetter immer noch nicht so toll – der Himmel war total bedeckt. Auf der elf Kilometer langen Strecke zur Hauptstadt der Insel (Sant`Antico) kamen uns zwei Rennradler entgegen, die wir natürlich freundlich grüßten. In Sant`Antico ging Mäfju einkaufen, während ich draußen wartete und einem Schwarzafrikaner dabei beobachtete, wie er seine Artikel (Caps, Elektrobohrer, Uhren ...) erfolgreich feilbot. Auf einer Wiese am städtischen Hafen (auf der viele Scherben von zerbrochenen Flaschen rum lagen) aßen wir ein Baguette mit Exquisa.

der Turm bei Thàrros

Schwarzafrikaner verkaufen allerlei Nüzliches
und wieder zurück auf die Straße
Mäfju an der Fähre weiter nach Sant Antioco

Nach der kurzen Stärkung ging es dann bei 22°C über einen vier Kilometer langen Damm zurück nach Sardinien. Der Verkehr nervte, auch als wir auf eine gelbe Straße bei San Giovanni abbogen, war der Verkehr nicht wesentlich entspannender. Nach einigen Kilometern kreuzten wir erneut die „rote 195“ und mussten nun 6500 m auf ihr fahren. Da hieß es, Zähne zusammen beißen und los. Da Mäfju heute das Zelt hatte, übernahm ich das Power Play. Zur allgemein kraftintensiven Fahrt kam noch ein recht frischer Westwind, der selbst das Fahren auf der Geraden zur Anstrengung werden ließ. Alles in allem war es keine schöne Strecke, die wir aber fahren mussten, um zur sehenswerten Costa del Sud zu gelangen. Es war nun wichtig, noch einmal einzukaufen. Dies erledigten wir in dem kleinen Örtchen Pillonis. Erstmals sind wir beide zusammen Einkaufen gegangen, denn der Laden war sehr klein und auf der Straße war nichts los. Auf der Karte schauten wir uns den weiteren Streckenverlauf an und entschieden uns, auf einer weißen Straße zu fahren, auf der wir Sant`Anne Arresi und ein 200 Meter hohes Gebirge umfahren konnten. Nachdem wir unser Essen verstaut hatten ging es auch schon los.

Conrad auf der Holperpiste Nach wenigen Minuten hatten wir die Straße gefunden, die sich alsbald in einen Schotterweg verwandelte. Derartige offroad – Erfahrungen hatten wir ja bereits in Schweden gesammelt. Nur die Schlaglochtiefe war hier noch ausgeprägter, sodass ich mir ernsthaft Gedanken um mein Hinterrad machte, was durch das Essen und mein Gepäck ordentlich belastet war. Der Weg wurde immer abenteuerlicher und nach etwa 20 Minuten Fahrtzeit standen wir vor einem großen Zaun, der mit Stacheldraht gesichert war. Toll, dachten wir uns. Unsere Karte hält es nicht einmal für nötig ein Militärgebiet zu verzeichnen. So mussten wir umkehren und das Militärgelände weiträumig umfahren. Letztendlich hatte uns der Versuch abzukürzen nichts gebracht und wir kamen trotzdem bei Sant`Anne Arresi raus.
Belohnung der Strapazen: Vitamine in Nebida
es wird ländlich ...
Endstation Zaun: Mäfju bei der Militärzone

Ein weiterer Irrtum der Karte war dagegen vorteilhaft: die angekündigte Steigung, wegen der wir das die Abkürzung fahren wollten, gab es nicht. So konnten wir dann in moderat welliger Landschaft bis zur Costa del Sud rollen. Nach 65 Kilometern und drei Stunden im Sattel hatten wir auch Hunger bekommen. Mäfju begann, von seinen tollen Restaurantbesuchen vergangener Italienurlaube zu erzählen, was uns dazu motivierte, noch schneller zu fahren, um schnellst möglich ein Stück Pizza in den Händen zu halten. Auf dem Weg zum Meer, was noch in vier Kilometer Entfernung lag, aß ich mir noch ein paar Dektro-Riegel. Zu Beginn der Costa de Sud befand sich gleich ein Restaurant, was sich jedoch auf Meeresfrüchte spezialisiert hat (ein Gräuel für Mäfju) und sein deutscher Besitzer meinte, dass er sowieso nur gehobene Preise hat und wir doch mal zum Campingplatz auf der anderen Küstenseite schauen sollen. Dies hätte jedoch einen Umweg von 20 Kilometern bedeutet und so entschieden wir uns, die Costa del Sud abzufahren, in der Hoffnung dass noch andere Restaurants kommen würden.

der Turm bei Thàrros
es blüht an der Costa del Sud
das winzige Eiland Isola Campionna
der Turm bei Thàrros der Turm bei Thàrros
geologisch Interresant: gefaltet und gekippt
Blick in den Porto di Piscinni

Porto di Piscinni ganz für uns allein

Leider war dem nicht so, dafür eröffneten sich uns immer wieder fantastische Blicke auf die Südküste mit ihren kleinen Buchten. In einer solchen machten wir dann 15:15 Uhr Mittag, beziehungsweise Nachmittag. Nachdem wir am Meer gegessen hatten, entschieden wir uns gleich hier zu bleiben. Immerhin waren wir fast 80 Kilometer gefahren und hier gab es eine tolle Wiese (im Gegensatz zur gestrigen Sumpfnacht) und obwohl die Straße keine 30 Meter entfernt, war störte sie nicht, denn der Verkehr war zu dieser Jahreszeit noch sehr dünn.Unser Zelt lag zudem nur 10 Meter vom Strand entfernt und wir hatten die Bucht für uns alleine. Wir chillten dann etwas, wuschen unsere Sachen und Mäfju putzte am frühen Abend noch sein Rad. Wir legten zudem den weiteren Tourverlauf fest. Morgen (Karfreitag) wollten wir die Hauptstadt großräumig umfahren, um dann in den darauf folgenden Tagen in die Berge zu radeln.


Conrad genießt die Sonne am Strand
tolle Zeltstelle 10 Meter vom Meer entfernt
erste Wäsche ....
... nach 5 Tourtagen


Statistik zum 06ten Tag

leicht bewölkt war es
Vormittag
leicht bewölkt war es
Nachmittag

Tageskilometer
78,25 km
Gesamtkilometer
428,71 km
Höhenmeter (gesamt)
344 (3750)
Durchschnittsgeschwindigkeit
21,4 km/h
reine Fahrzeit
3:39:39 h
Start
9:00 Uhr
Ziel
15:15 Uhr
TopSpeed
60,4 km/h
Temperatur
17 -23 °C
Übernachtung
Porto di Piscinni
Übernachtungshöhe
3 m über NN
Stärkungen (Conrad)


2x Snickers
1 Tafel Bitternuss
1 Stange Dextro
Trinken (Conrad)

1,0 Liter Wasser
0,5 Liter Cola
Ausgaben

7 Euro für Essen + Trinken
2,7 Euro für Fähre

Tag 5 / Tag 7


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