Tag 4: 22.03.2005: viele Ziegen, einige Höhenmeter und ein HappyEnd

Mäfju checkt sein Handy  im Zelt

Nach einer ruhigen Nacht (man hatte die Brandung kaum gehört) wachte ich 6:10 Uhr mit dem Sonnenaufgang auf. Leider war es bedeckt und noch kalt (8°C) und so blieb ich im Zelt liegen. Mein Sonnenbrand wurde weniger und die Erkältung der ersten Tage hatte sich auch gelegt. Mäfju ging es auch schon besser, auch wenn er noch verschnupft war und etwas rum husten musste. Im Laufe des Morgens zog der Himmel immer weiter zu. Das war schade, denn heute sollte die Bergetappe mit viele tollen Aussichtpunkten anstehen. Wir frühstückten gegen 9 Uhr. Mäfju hatte noch Elan, sein Fahrrad samt Schaltung zu putzen. Vor der Tour hatte er nichts dran gemacht (dementsprechend sah es auch aus) und die Schmach wollte er sich nicht die ganze Tour geben. Seine Schaltung, die bereits die ersten Tage gerattert hatte, konnte er jedoch auch heute Morgen nicht komplett reparieren. Trotzdem fuhren wir dann 10:15 Uhr los.

der Turm bei Thàrros
Mäfju beim putzen
kurzer Stop vor dem Anstieg ins Merceddi -Gebirge

Bereits nach wenigen Kilometern ging es bergauf. Zumindest wurde es durch die Bewölkung nicht so heiß, jedoch schwitzten wir auch so ordentlich und arbeiteten uns immer höher. Nach weiteren drei Kilometern ging es wieder runter und die Straße führte wieder fast bis zum Meer und wir duften erneut ansteigen. Dabei wurde uns wieder warm und wir zogen die kurzen Sachen an. Nach einer guten Stunde Fahrzeit kam uns eine Herde Ziegen entgegen. Sie benötigten die gesamte Breite der Straße und wurden von einem Hirten auf dem Motorrad angetrieben. Er hielt noch bei uns und wollte sich unterhalten. Leider kam wegen unserer mangelnden Sprachkenntnisse kein Gespräch zu Stande, trotzdem war er sehr nett und trieb dann seine Herde immer weiter auf der Straße entlang.

eine Herde auf der Straße

der Turm bei Thàrros
die Ziegen machen einen großen Bogen um Conrad
der Hirte auf dem Motorrad

Für uns stieg die Straße noch weiter an. Wir hatten bereits einen schönen Blick auf das „Monte Arcuntu“-Massiv. Auf der Karte war ein Pass von 589 Metern ganz in unserer Nähe eingezeichnet. Erfreulicherweise führte die Straße dort vorbei und wir mussten lediglich auf eine Höhe von 350 Metern fahren. Bei der Fahrt nach Montevèdio bekamen wir den heftigen Ostwind zu spüren. Er bremste uns trotz höchster Anstrengung auf 15 km/h runter. Zum Glück war die Fahrt im Windkanal nach ein paar Kilometern zu Ende. Im Ort selbst suchten wir uns dann eine geschützte Stelle auf den Kirchenstufen. Die Kirche war orange gestrichen und man hatte mit dem Ausschmücken für das Osterfest begonnen. Durch das Rumsitzen wurde uns bereits nach wenigen Minuten frisch. Mäfju zog sich seine Ärmlinge drüber und bekam nun seinen Sonnenbrand zu spüren. Entsprechend schmerzvoll war es, sie anzuziehen und ein Bild war schnell gemacht


Mäfju käpft sich gegen den Wind

schmerzhaft !! Ärmlinge über Sonnenbrand

Wir wollten nun weiter nach Arbus fahren. Zwischen den zwei Orten lag ein Tal. Toll, dachten wir uns. Also das Ganze runter und auf der anderen Seite wieder hoch. Dementsprechend unmotiviert rollten wir los und sahen aber zu unserer großen Freude einen Abzweig nach rechts. Hier konnten wir über einen Pass nach Arbus fahren und ersparten uns die lästigen 200 Höhenmeter der Talfahrt. Bei einer Ziegenherde angekommen (wieder halb auf der Straße) verfolgte uns der Hütehund. Zum Glück hatten wir noch genügend Power, um ihn nach 100 Metern abzuhängen. Bisher waren die Hundeattacken noch nicht so häufig, aber in einigen Reiseberichten hatte ich gelesen, dass die Hunde besonders im Gebirge sehr aggressiv auf Radfahrer seine sollen – und die richtigen Berge kommen ja noch ...
Links der Straße hatten wir einen fantastischen Blick ins Tal, den wir jedoch nicht auf Fotos festhalten konnten, denn es war immer noch zu bedeckt. Wir erreichten den Bergsattel auf einer höher von 400 Metern und konnten auf der anderen Seite 150 Höhenmeter runter nach Arbus rollen. Unten angekommen, wollten wir einkaufen. Es war 14 Uhr und wir fanden keinen Laden, der geöffnet hatte. So blieb uns nichts anderes übrig, als weiter zu fahren. Hinter dem Arbus ging es dann erneut nach oben. Wir befanden uns nun wieder auf der roten „126“. Sie war jedoch gering befahren und die Fahrt hätte auch richtig Spaß gemacht, wenn da nicht die acht Kilometer Anstieg zum 491 Meter Pass „Passo Bidderdi“ gewesen wären. Da die Straße jedoch in kleineren Serpentinen anstieg und wir uns schon innerlich darauf vorbereitet hatten, fiel es uns nicht schwer einen guten Tritt zu finden. Nachdem wir den Pass 15:15 Uhr erreicht hatten, konnten wir uns auf die Abfahrt zum Meer freuen


der bisher höchste Pass (492 m) ist erreicht
grüne Hänge entlang der Abfahrt zum Meer

Die Serpentinen schlängelten sich durch Schluchten mit üppig verwachsenen Krautgewächsen. Mäfju machte vorn ordentlich Geschwindigkeit, während ich die Abfahrt genoss und immer wieder nach einem guten Fotomotiv Ausschau hielt und leider keines fand, denn es war immer noch zu bedeckt. Bei Monte Cidro sind wir rechts abgebogen, um dann eine sechs Kilometer lange, leicht abfallende Straße zum Meer zu rollen. Direkt neben der Straße befand sich ein vermüllter Sandstrand. Nicht gerade die ideale Übernachtungsmöglichkeit und so rollten wir weiter in Richtung Buggern. Nach wenigen Minuten mussten wir uns von dem Gedanken einer entspannenden Strandfahrt verabschieden, denn einmal mehr ging es bergauf. Wir mussten dann bis nach Baggern, fahren wo wir uns etwas zu Essen und Trinken holen wollten. Leider hatten auch hier alle Geschäfte geschlossen und machten erst in zwei Stunden auf. Dann würde es aber bereits dämmern und wir brauchten bis dahin schon eine Zeltstelle. Also kauften wir uns zumindest zwei Wasserflaschen zu je 1,20 Euro in einer Bar. Während ich das Wasser holte, wurde Mäfju von zwei Italienern angequatscht, die sich unterhalten wollten. Der Dialog endete aber bereits nach wenigen Sätzen in der Sackgasse, denn sie konnten kein English und lediglich „Wie geht es dir“ und „Tschüß“ sagen. An dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass die Bar fast am Meer lag und wir nun wieder 40 Höhenmeter hoch zur Straße mussten. Hinter dem Ort stieg die Straße weitere 80 Meter an und gab uns den Rest für diesen Tag. Wir hatten weder eine Campingstelle noch ausreichend Essen für den nächsten Tag. Entsprechend genervt arbeiten wir uns den Berg hoch und mir half ein weiterer Marsriegel. Oben angekommen, ging es erst einmal fünf Kilometer gerade. Neben der Straße lag ein riesiges Strauchfeld. Nicht gerade die beste Möglichkeit zum Campen. Zum Meer ging es sehr steil nach unten. Resigniert rollten wir dahin. Und was dann passierte, war einer jener glücklichen Zufälle, die es einfach geben muss. Wir trafen einen älteren deutschen Tourenradler der uns eine Bucht ganz in der Nähe empfahl. Während wir uns mit ihm unterhielten, kamen noch zwei andere gut durch trainierte deutsche Tourenradler bei uns vorbei. Auch sie konnten uns die Cala Domestica nur empfehlen. Es war schon lustig, dass wir die ganzen ersten Tage keinen Radfahrer trafen und hier waren es gleich drei auf einmal. Wir bedankten uns herzlich und fuhren noch ein paar Serpentinen runter, um dann auf einer kleineren Straße zum Meer zu radeln. Es war immer noch warm (17°C) und langsam lockerte der Himmel auch auf. Die Radler hatten nicht zu viel versprochen. In der Bucht gab es viel Sand und direkten Zugang zum Meer. Wir warteten nicht lange und bauten unser Zelt an einer geschützten Stelle auf.

die letzten Meter müssen wir schieben

unsere Zeltstelle in der Wüstenlandschaft


unser Zelt in der Cala Domestica
ein Wachturm oberhalb der Cala Domestica

Bis auf drei andere Leute, die auch hier übernachten wollten, war das Areal menschenleer. Nur ab und zu hörte man Wellen am Sandstrand brechen. Ich begab mich auf eine kleine Wanderung zu einem Leuchtturm an einer Felsklippe. Der Weg führte durch viel Gestrüpp und stieg noch einmal ordentlich an. Belohnt wurde ich dann aber mit einem fantastischen Blick auf das Meer. Der Wachturm in der zu Stein gewordenen Umgebung schien surreal und ich wäre gerne länger geblieben, nur leider ging gerade die Sonne unter. Als ich wieder zurück war, aßen wir gleich Abendbrot, wobei wir nebenbei den Bibelsender von RTL hörten. Noch nicht ganz bekehrt, aber glücklich, die 1300 Höhenmeter geschafft zu haben, legten wir uns dann 21:15 zum Schlafen ins Zelt.

Blick auf ein altes Mienengebäude

der Blick in die Cala Domestica


Statistik zum 04ten Tag

leicht bewölkt war es
Vormittag
leicht bewölkt war es
Nachmittag

Tageskilometer
83,21 km
Gesamtkilometer
282,78 km
Höhenmeter (gesamt)
1320 (2633)
Durchschnittsgeschwindigkeit
18,62 km/h
reine Fahrzeit
4:28:02 h
Start
10:15Uhr
Ziel
16:45 Uhr
TopSpeed
55,8 km/h
Temperatur
8 - 22 °C
Übernachtung
in der Cala Domestica
Übernachtungshöhe
5 m über NN
Stärkungen (Conrad)


2x Snickers
1 Tüte Haribo
1 Stange Dextro
Trinken (Conrad)

1,5 Liter Wasser
0,8 Liter Saft
Ausgaben
1,2 Euro für Trinken

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