Tag 2: 20.03.2005: mit Bombenwetter entlang der Westküste

Nach vier ungemütlichen Stunden Schlaf auf Mäfjus Rücksitz wachte ich 4:30 Uhr bereits leicht unterkühlt auf (In der Nacht warm –5°C). Um mich zu erwärmen joggte ich eine Runde. Mäfju quälte sich dann mit dem Wecker 4:45 Uhr aus dem Auto. Als erstes wollte er seinen Gepäckträger dran bauen, jedoch waren die Schrauben von Max zu groß aber glücklicherweise hatte ich genügend Ersatzschrauben mit dabei. Als nächstes schauten wir uns zum ersten mal unsere mitgenommenen Pappboxen an. Sie waren derart klein, dass wir unsere Räder fast komplett zerlegen müssten. Das war uns zuviel Aufwand am morgen und so entschieden wir uns, die Pappboxen vor Mäfjus Auto liegen zu lassen und die Räder einfach so aufzugeben. Wir rollten dann die hundert Meter zum Airport und Mäfju ist erst einmal Hände waschen gegangen. Unser Schalter war erfreulicherweise fast leer und so kamen wir auch gleich dran. Der Stress begann, denn in irgend einem Punkt des Vertrag (den ich nicht gelesen hatte) stand, das man sein Gepäck 40 Minuten vor dem Start aufgeben muss. Wir hatten also noch drei Minuten. Unser Gepäck hatte zwar Übergewicht (47 kg statt der erlaubten 30) aber darauf achtete nun keiner mehr. Eigentlich hätten wir auch nur drei Gepäckstücke pro Person transportieren dürfen, aber uns siebtentes ging auch durch. Bei den Rädern mussten wir lediglich die Luft raus lassen. Den Lenker, die Pedalen und den Sattel konnten wir unverändert lassen


über Süddeutschland ist noch ein Meer aus Wolken
... auf Korsika scheint aber bereits die Sonne

Blick über die Alpen

Als Handgepäck nahm ich meinen Fahrradhelm und eine Tüte voller Süßigkeiten (meine Motivation während der Tour) mit. Durch den Streß hatten wir es auch nicht mehr geschafft, unsere Räder mit Isolierfolie zu sichern und so hofften wir, dass nichts ernsthaft beschädigt wird. Nun konnten wir uns in die Warteschlange stellen. Ich schaute noch mal in meine Plastiktüte und entdeckte zwei Rollen Isolierband und ein Cutter-Messer. Das Messer entsorgte ich lieber gleich und das Isolierband wurde später als nicht potentielle Gefahr eingestuft und ich konnte es mit an Bord nehmen. Kurz vor 7 Uhr konnten wir dann die Maschine betreten. Wir fanden sogar noch zwei Plätze am Fenster. Das Wetter war hier in Hahn verhangen. Auf Sardinien sollte dagegen die Sonne scheinen. Ich bin dann sehr schnell eingeschlafen und wachte erst auf, als wir über den Alpen waren. Mäfju schlief immer noch und so konnte ich die ganze Zeit raus schauen und fotografieren. Auf den Bergen lag noch viel Schnee und der Himmel war wolkenlos. Hätten wir rechts gesessen, dann hätte man auch das Matterhorn sehen können. Mäfju wachte auf, als wir bereits das gebirgige Korsika erreicht hatten. Nun war es nicht mehr weit. Der Pilot gab die letzten (sehr erfreulichen) Details durch: viel Sonne und 20 Grad während der nächsten Tage. Beim Landeanflug fiel uns sofort das saftige Grün der Wiesen auf. In Deutschland war der Winter keine Woche vorbei und so war der Kontrast schon sehr intensiv. So einen grünen Anblick hatten wir nun seit 5 Monaten nicht mehr gehabt.


Sicherheit geht vor: auch im Flugzeug mit Helm
die Räder sind bepackt ... nun kann es los gehen

8:40 Uhr -15 Minuten früher als geplant - setzten wir mit moderater Härte auf. Das Gepäck gab es dann ohne Probleme und auch die Räder waren unversehrt geblieben. Mit uns im Flieger waren noch zwei anderen Tourradler, die sich gleich Mäfjus Luftpumpe ausliehen. Wir verstauten alles auf den Rädern, zogen unsere Trikots an und verließen den Flughafen von Alghero 9:50 Uhr. Es waren 18°C und die Sonne schien von einem azurblauen Himmel. Wir freuten uns riesig, dass alles so gut geklappt hatte. Nur Mäfjus Kette machte noch Probleme. So hielten wir am Hafen von Fertilia an und er ölte noch einmal sein Rad. Nun rollten wir gemütlich nach Alghero. In der Stadt gab es sehr viele kleine Gassen und eine schöne Stadtkirche. Wir fuhren dann auf der „roten“ Küstenstraße nach Bosa. Die Straße entpuppte sich gebirgiger als erwartet. Immer wieder ging es bis auf 200 Meter hoch, um im nächsten Moment wieder auf Meeresniveau zu rollen. So wurden die ersten Kilometer der Tour recht kräfteraubend. 12:30 Uhr (nach 53 Kilometern) erreichten wir Bosa.


Conrad und die Küstenstraße
viel Natur an der Westküste von Sardinien





Es war Sonntag aber - welch ein Glück – ein Supermarkt hatte noch offen. Wir holten 5 Liter Wasser und vier große Fladenbrötchen. Mäfju hatte bisher nur 0,75 Liter getrunken und war nun heilfroh, endlich trinken zu können. Ich hatte einen Liter zur Verfügung gehabt der auch bereits alle war. Nach dem Stopp kamen wir mit einem Italiener kurz ins Gespräch. Wir sagten, dass wir nach Suni fahren wollen. Er deutete uns an, dass es sehr steil bergauf geht. Er zeigte uns dann mit ein paar Handbewegungen die Richtung. Mäfju sah schon in der Ferne eine Straße mit etwa 20% Anstieg. Wie sich heraus stellte war dies nicht unsere Straße und so mussten wir nur einen 6% Anstieg fahren. Vor dem Mittagessen hatte sich Mäfju zwei Minuten abgesetzt, wartete dann aber auf mich sodass wir dann in der prallen Nahtmittagssonne eine Dose Leberwurst mit Brot und Senf aßen.


Bosa - hier gabs es Mittagessen
Pause beim Anstieg nach Suni
es war krachend heiß
Abfahrt zum Meer

Kurz vor 15 Uhr sind wir dann weiter gefahren und schraubten uns auf eine Höhe von 326 Metern. Suni hatte nicht viel zu bieten und so sind wir gleich weiter gefahren. Nun ging es noch einmal 80 Höhenmeter nach unten, um dann auf 443 m über NN anzusteigen. Die Kirche von Cuglieri vor Augen, arbeiteten wir uns Kilometer und Kilometer nach oben. Der Schweiß lief, die Sonne brannte (24°C) und zum ersten mal mussten wir uns richtig anstrengen. Auf den letzten Metern trafen wir noch ein Tandempaar aus Schweden (der Mann fuhr, die Frau saß hinten drauf). Nach einigen Smalltalk konzentrierten wir uns wieder auf den Anstieg. 16:30 Uhr erreichten wir dann Cuglieri. Wir genossen im folgenden die Abfahrt zum Meer. Es war fantastisch: die sich langsam senkende Sonne, das Mittelmeer und wir donnerten ohne Anstrengung ins Tal. Hinter Santa Caterina di Pittinnri entschieden wir uns, eine Zeltstelle zu suchen. Wir hatten auf der Karte bereits einen Campingplatz gefunden. Er lag zudem am Meer. Wir fuhren aber an ihm vorbei und zelteten wild in den Dünen. Erfreulicherweise war der Verkehr heute sehr dünn gewesen, so dass wir uns an den saftig grünen Wiesen und der Vegetation erfreuen konnten. Auf diesem Streckenabschnitt gab es zwar vereinzelte Ortschaften. Ingesamt gesehen scheint die Bevölkerungsdichte hier jedoch gering zu sein. 18:45 Uhr wurde es dunkel und so sind wir nach dem Abendessen und den 106 Kilometern 20:30 Uhr ins Zelt.

der Strand bei Santa Caterina di Pittinnri


Mäfju schiebt sein Rad über die Dünen


nach 106 km am Meer
deutlich zu erkennen: die Kraft der Sonne

unsere Zeltstelle

traumhafter Sonnenuntergang


Statistik zum 02ten Tag

leicht bewölkt war es
Vormittag
leicht bewölkt war es
Nachmittag

Tageskilometer
106,66 km
Gesamtkilometer
106,66 km
Höhenmeter
1129
Durchschnittsgeschwindigkeit
19,68 km/h
reine Fahrzeit
5:25:06 h
Start
10:00Uhr
Ziel
18:00 Uhr
TopSpeed
58,8 km/h
Temperatur
12 - 26 °C
Übernachtung
am Meer bei Santa Caterina di Pittinnri
Übernachtungshöhe
4 m über NN
Stärkungen (Conrad)


3x Snickers
3/4 Tüte Haribo
1 Stange Dextro
Trinken (Conrad)

3,0 Liter Wasser
0,3 Liter Cola
Ausgaben
3 Euro für Essen + Trinken

Tag 1 / Tag 3


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